Am Aschermittwoch war endgültig alles vorbei
Die Regieleitung des „Fosndagrom in Isling“ bat am Aschermittwoch zum absoluten Endspurt: In der Faschingshochburg Böhmerwald versammelten sich alle Akteure zum bühnenreifen zweiten Akt der närrischen Spielzeit. Die letzten Töne der „Islouer Fosnd“ und der finale Schnaufer von Prinz „Jaromír Jäger“ erklangen in der vollbesetzten Gastwirtschaft – begleitet von der Faschingsband Schlutupers. Jahr für Jahr stehen die Organisatoren vor der Herausforderung, genügend Musiker für die erforderliche Besetzung zu gewinnen. Viele spielen in unterschiedlichen Kapellen oder sind engagierte Freizeitmusiker. Der Bandname „Schlutupers“ entstand einst bei einem Stammtischtreffen – Namensgeber war ausgerechnet eine Bratheringsdose. Aus der urtümlichen „Blechdose“ entwickelte sich über die Jahre das augenzwinkernde Motto vom „reinen Blech“. Inzwischen sind Jahrzehnte vergangen, die Instrumente moderner, die Leidenschaft jedoch unverändert. Zum Leben erwachen die Tonkünstler vor allem in der Faschingszeit. So traf sich auch heuer das unermüdliche Faschingsvolk im „Böhmerwald“ und ließ es am Aschermittwochabend zum Ausklang noch einmal kräftig krachen. Vor dem Umzug bat Faschingskardinal Daniel Biermeier im roten Gewand zur Gemeinschaftsbeichte. Abseits des Trubels spendete „Herr Merkwürden“ mit dem „Wasserpinsel“ die feuchtfröhliche Absolution. Für besonders schwere Fälle nahm sich der Faschingspater bei einer „Solobeichte“ etwas mehr Zeit – „Extras kosten bekanntlich mehr“, bemerkte er augenzwinkernd. Die symbolische Sühne erfolgte traditionell durch das Hinabspülen „Hochprozentiger“ samt kleiner Steuerabgabe. Angesichts der Vielzahl an närrischen Fehltritten geriet der Geistliche im engen Beichtstuhl durchaus ins Schwitzen. Die Akteure der „Schlutupers“ und die Beichtgemeinschaft versammelten sich schließlich mit dem Stroh-Prinzen „Jaromír Jäger“ zu einem letzten Erinnerungsfoto. Bevor das Ritual des „A’groms“ vollzogen wurde, drehte das Faschingsvolk unter Leitung von Christian Schmucker mit Pauken und Trompeten noch eine musikalische Runde. Im Mittelpunkt stand der auf einer Trage platzierte Faschingsprinz, begleitet von seiner trauernden Witwe Paula Steger und Kreuzträger Thomas Bösl. Nach einem kurzen Gang vom Marktplatz zum Tillyplatz folgte das Sterberitual, bei dem der strohige Prinz die leidige Hauptrolle spielte. In seiner Trauerrede erinnerte Pater Daniel Biermeier an die Leidenschaften von „Jaromír“: „Er war nicht nur dem Fasching, sondern 24 Stunden auch den Frauen, der Musik und dem Bier verfallen.“ Sein früher Tod sei daher kaum überraschend gewesen. Mit einem Augenzwinkern verabschiedete Pater Daniel sich vom Dahingegangenen: „Lieber Freund, mach’s gut dort oben, wir werden weiter fröhlich toben. Wenn wir im Fasching Gläser heben, wirst du in unsren Herzen leben. Und sollte irgendwo ein Korken knallen, wissen wir: Du warst’s – vor allen.“ Beim Verbrennen des Prinzen in der Feuerschale kämpften die Trauernden – nicht zuletzt wegen der Rauchschwaden – mit tränenden Augen. Nach tröstenden Worten endete mit dem feurigen „Agrom“ in „Isling“ endgültig die fünfte Jahreszeit. Im „Böhmerwald“ erwartete alle ein traditionelles Aschermittwochsessen. Aufgetischt wurden Sahneheringe, Bratheringe, Kartoffeln, Käseplatten und Brezn. So klang die Islinger Fosnd aus – ganz im Sinne des bekannten Liedes von Margit Sponheimer: „Am Aschermittwoch ist alles vorbei.“ Nach Meinung aller war es wiederholt ein würdiger Abschluss einer ausgelassenen, schauspielreifen und traditionsreichen Faschingssaison.