Kleine Samenkörner, aus denen Großes wachsen kann - Erntedankgottesdienst in Böhmischbruck verbindet Schöpfung, Dankbarkeit und die Botschaft von Liebe und Freude
„Herein, herein, wir laden alle ein …“ mit diesem Lied zogen Pater Joseph, Kinder und Ministranten in die Pfarrkirche „Mariä Himmelfahrt“ ein. Am Altar wartete bereits ein wunderschön gestalteter Erntedankaltar. Früchte des Feldes und Blumen aus den Gärten machten sichtbar, wofür an diesem Abend Dank gesagt wurde. Monika Duschinger hatte die Erntegaben mit viel Liebe zusammengetragen und zu einem farbenprächtigen Gesamtbild angeordnet. Doch auch im Hintergrund hatten zahlreiche fleißige Hände mitgewirkt. Schon Tage zuvor war die Kirche gründlich gereinigt und für den festlichen Gottesdienst herausgeputzt worden. Im Mittelpunkt stand das kleine Samenkorn. Die Kinder erzählten die Geschichte von seinem Weg zum Wachsen und brachten dazu verschiedene Symbole in den Altarraum; ein Samenkorn, eine Schale mit Erde, eine Gießkanne mit Wasser und eine große Sonne aus Papier. Gemeinsam machten sie deutlich, dass es zum Wachsen mehr braucht als nur einen Samen. Pater Joseph griff diesen Gedanken in seiner Predigt auf und erzählte eine kleine Begebenheit aus Israel. Von dort hatte er winzige Samenkörner mitgebracht, die er den Kindern im Kommunionunterricht zeigen wollte. Doch gerade als die Kinder die kleinen Senfkörner betrachteten, musste ein Bub niesen, und schon waren die winzigen Samen verschwunden. Ein herzliches Schmunzeln ging durch die Kirche. Doch hinter der kleinen Geschichte steckte eine große Botschaft: „Alles, was hier am Altar aufgebaut ist, von der Tomate über das Kraut bis zum Kürbis, war einmal ein kleines Samenkorn“, erinnerte Pater Joseph. Damit daraus etwas wachsen könne, brauche es Erde, Wasser, Sonne und viele weitere Zutaten und letztlich auch Gottes Unterstützung. Sein Dank galt den Menschen, die säen, pflanzen, pflegen und ernten, ebenso wie allem, was wächst und blüht, und nicht zuletzt dem Geschenk des eigenen Lebens. Dabei spannte Pater Joseph den Bogen vom Samenkorn zu den Menschen. Ein Lächeln könne Freude schenken, eine helfende Hand Mut machen und ein kleines Wort der Liebe könne wie ein Samenkorn sein, das in die Erde gelegt wird. „Mit Gott kann daraus Großes entstehen.“ So lud er die Gottesdienstbesucher ein, selbst kleine Samen für Liebe und Freude auszusäen und darauf zu vertrauen, dass Gott sie wachsen und reiche Frucht tragen lässt. Besonders berührend war das gemeinsame Vaterunser. Alle Kinder versammelten sich im Halbkreis vor dem Altar und begleiteten die Worte mit Gesten – sichtbar und spürbar wurde dabei, dass dieses Gebet ein Geschenk ist, das Gott den Menschen selbst gegeben hat. Für die festliche musikalische Gestaltung sorgte die Schola unter der Leitung von Daniela Bock, die zugleich als Lektorin wirkte. Nach dem Segen und der Weihe der Erntefrüchte und des Brotes warteten vor der Kirche weitere Zeichen gelebter Gemeinschaft. Die Ministranten und die Jugendfeuerwehr boten Erntedankbrot und selbstgepressten Apfelsaft zum Verkauf an. Noch lange blieben die Gottesdienstbesucher anschließend vor der Kirche beieinander. Im milden Abendlicht wurde erzählt, gelacht und miteinander schon mal vom Apfelsaft getrunken und vom Brotlaiberl gebissen. Ein langer und herzlicher Applaus galt schließlich allen, die zum Gelingen des Erntedankfestes beigetragen hatten, den Kindern und Ministranten, der Schola, den Verantwortlichen, den fleißigen Händen beim Schmücken und Putzen und allen Helfern im Hintergrund. Dankbarkeit war an diesem Abend nicht nur Thema des Gottesdienstes, sie war auch in den Gesichtern der Menschen zu spüren. Dankbarkeit für die Ernte, für die Gemeinschaft und für einen Erntedankgottesdienst, der mit einer kleinen Geschichte eine große Botschaft mit auf den Weg gab: Manchmal braucht es nur ein kleines Samenkorn und den Mut, es auszusäen.